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Vortrag im "Violino" Zell
18. Jan. 2012 |
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Eltern haben den schwierigsten
„Job“
Erziehungsvortrag über
Suchtgefahren und Jugendverschuldung
Anhand der
Herausforderungen im Zusammenhang mit Jugendalkoholismus und
Jugendverschuldung zeigten Claudia Gada und Joachim Zahn als Referenten und
Gesprächspartner der Stelle Suchtprävention zischtig.ch ein paar wichtige
Haltungs- und Verhaltensgrundsätze für Eltern auf.
Einleitend meinten die
Referenten, dass wir es in der Erziehung ja meistens alle nur gut machen
möchten. Zudem strotzt ja heute die Wissenschaft und die Literatur vor guten
Rezepten, wie Erziehung so leicht zu bewerkstelligen ist. Wir haben genügend
Tipps und Ideen aus Religion, Neurologie, Pädagogik, Medizin, Genetik und
Sozialer Arbeit. Das alles aber kann auch verunsichern und verwirrend
wirken. Die mit humorvollen und lebensnahen ehrlichen Aussagen der beiden
Referenten waren wie folgt aufgebaut:
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Wissen – Tipps und Tricks |
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Erziehungsgrundsätze |
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Dekonstruktion + Haltung |
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Dekonstruktion
heisst nichts anderes, als gewisse „Konstrukte, vorgefasste Annahmen über
Bord geworfen werden müssen, wie zum Beispiel folgendes:
- Familie ist immer schön
und friedlich...
- Wenn ich es nur richtig
mache, kommt es schon gut...
- Wenn die Kinder nur
wollten...
- Ab xx – Jahren wird es
dann schon einfacher und besser
- Nur wir oder nur die
andern haben solche Probleme
Hilfreiche
Haltungen bestärken Eltern im täglichen Erziehen:
- Es ist nun mal immer
wieder anstrengend
- Konflikte sind normal
- Vordergründig ist immer
wieder die Suche nach einem gangbaren Weg
- Ich gebe immer mein
Bestes
- Kinder sind keine
Erwachsenen und handeln anders
- Störungen nicht als
persönlichen Angriff nehmen
- Gemeinsam geht es
besser
- Orientierung an der
Gesellschaft
Erziehungsgrundsätze
- Erzieher sind Vorbilder: dies gilt beim
Trinken von Alkohol und bei Konflikten und Konfliktlösungen, ebenso wie
bei Verhaltensweisen. Auch wenn wir es manchmal nicht wahrhaben wollen:
Jugendliche gucken uns manches ab.
- Extreme sind nicht förderlich: Vertrauen
und Vorsicht sind gut, naive Vertrauensseligkeit und dauerhaften
Misstrauen können schlimme Folgen haben. Irgendwann muss Verantwortung
gelernt werden
- Zuverlässigkeit ist wichtig: Mit Ritualen
innerhalb der Familie erfährt das Kind, der Jugendliche, dass es immer
angenommen und aufgehoben ist.
- Pflege einer wohlwollenden Beziehung:
Eltern müssen vor allem Mut machen und den Kindern gegenüber wohlgesinnt
sein.
- ausgewogenes, Miteinander – Tun und
Spielen: Es tut gut, mit Kindern zu spielen, gemeinsam zu essen und dann
auch mal sitzen zu bleiben, Gespräche zu führen
- Im Umgang mit Sucht und Missbrauch ist es
wichtig, gewisse Tipps zu kennen, wie Gefahren kennen und verstehen,
Hintergründe dazu in Erfahrung bringen und Schutzfaktoren kennen
Jugendliche und Alkohol
Jugendliche leben in einem
permanenten und riesigen Gehirnumbau. Sie können daher nach wenig Alkohol
bereits gefahren weniger gut einschätzen, Impulse weniger kontrollieren.
Hingegen haben Jugendliche den Drang, alles auszuprobieren. Ebenso müssen
sie ihren Platz und ihren Umgang in der Gemeinschaft, der Clique finden. Sie
wollen auch Zustände (Rausch) erkunden. Nicht zuletzt muss uns bewusst sein,
dass Jugendliche unterschiedliche Voraussetzungen mit bringen, wenn es um
den Weg ins Suchtverhalten und die Abhängigkeit geht.
Jugend und Verschuldung
Ein Viertel der Jugendlichen hat
heute Schuleden: sie geben mehr aus als sie haben. 80% der später
Verschuldeten machten ihre ersten Schulen bereits vor dem 25. Altersjahr.
Ebenso ist das Verhältnis zum „verdienten, erarbeiteten Geld“ verändert und
17% der Jugendlichen zeigen ein süchtiges Kaufverhalten. Aus den Schulden
herauszukommen ist sehr schwierig, es kann belastend für Beruf, Familie und
Freizeit sein. Letztlich gesellen sich oft gleichzeitig andere Süchte dazu.
Schutzfaktoren gegen
Sucht kennen
Jugendliche mit einem gesunden
Selbstwertgefühl haben es einfach, denn sie können lernen, „nein“ zu sagen
und sich trotzdem zu behaupten. Jugendliche müssen den angemessenen Umgang
mit Stress, Frust und Langeweile lernen. Wichtig ist die Fähigkeit,
Bedürfnisse und Gefühle ausdrücken zu können. Konfliktfähigkeit und
Orientierung an Vorbildern wie ein kreativer Umgang miteinander machen die
Jugendlichen stark. Es ist auch wichtig zu berücksichtigen, dass die Risiken
unterschiedlich sind: Personen und Anlagen, Mittel und soziales Umfeld,
gesellschaftliches Umfeld, ja sogar der Jahrgang kann entscheidend sein. Und
die Risiken verändern sich immer wieder.
Wissen und Tipps
schützen Jugendliche
- Vorbild sein, viel
reden miteinander und reflektieren,, Umgang und Verhalten sind zum
Gesprächsthema zu machen. Zudem sollten Erwachsene die Jugendlichen nicht
selber in die Sucht „verführen“
- Jugendliche müssen
lernen, sich der Realität zu stellen und Probleme zu lösen: Eltern räumen
zu oft Schwierigkeiten aus dem Weg. Erziehen heisst, Herausforderungen
nicht als Probleme zu sehen
- Selbstwert des
Jugendlichen steigt mit dem Erlernen einer Frust – Toleranz. Zudem sollen
die Jugendlichen eigene Aktivitäten entwickeln lernen, ohne das ssie
dauern hören: „das geht doch nie“. Viele Wege führen nach Rom, es gibt
nicht nur einen Lösungsansatz. Eine Belohnung oder Anerkennung für
spezielle Leistungen tun immer gut. Und das „Ämtli“ im Haushalt ist sehr
wichtig. Jugendliche sollten sich auch etwas „verdienen“ können.
- Jugendliche müssen eine
gesunde Angst entwickeln lernen, keine Überängstlichkeit, aber Respekt und
gesunde Angst. Ebenso brauchen Jugendliche Raum für ihre Bedürfnisse, was
sicherlich in heutiger Zeit schwieriger geworden ist.
- Jugendliche sollen mit
Eltern oder jugendlichen zusammen erlernen: Ich kann auch dazugehören ohne
Pomp und Alkohol. Dabei müssen Eltern anerkennen, dass sie selber auch
Dinge hatten, die ihnen wichtig waren. Es ist wichtig, die Jugendlichen in
ihrem „So-sein“ zu bestätigen und zu bestärken.
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